Once upon a time

Ein Leben ohne Uhr? Unvorstellbar. Zeitmesser begleiten uns tagtäglich ob am Handgelenk, Computer oder auf dem Handy. Der Wunsch, zu wissen, was die Stunde schlägt, bewegt die Menschheit seit Jahrtausenden. Dafür nutzte sie stets, was ihr zur Verfügung stand – Sonne, Feuer, Wasser. 

Ein Stock, senkrecht in die Erde gesteckt – und fertig ist die Ur-Uhr. Der Stock wirft einen Schatten, der mit dem Sonnenstand wandert. Anhand von Ziffern, die rund um den Stab gruppiert sind, lassen sich die Stunden ablesen. Kein Hightech, kein Schickschnack. Gab es vor 3000 Jahren auch nicht, als die Babylonier die Zeit mit Hilfe der Sonnenuhr bestimmten. Doch was tun, wenn die Sonne nicht scheint? Auch darauf wussten die Babylonier eine Antwort: die Wasseruhr. Hier gab die Dauer, wie lange Wasser, unter Berücksichtigung des sich verändernden Drucks, von einem Behälter in den nächsten benötigt, das Zeitmaß vor. Die Wasseruhrentechnik wurde von den alten Ägyptern und Römern übernommen, jedoch in deutlich verfeinerter Form.

 

Was die nächste Stunde schlägt …

Im Mittelalter machte ein anderes Element den Sonnen- und Wasseruhren Konkurrenz: das Feuer. Genau genommen das Feuer einer Kerze. Mit einer Kerzenuhr war man in jedem Haushalt unabhängig vom Sonnenlicht, und sie war erschwinglich. Da eine Kerze, abhängig von ihrem Durchmesser, immer gleich schnell abbrennt, eignet sie sich hervorragend zur Zeitmessung.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts kam die Sanduhr, das sogenannte Stundenglas, in Mode. Mit der Erfindung der mechanischen Uhr, der Räderuhr, wurde die Zeitmessung schließlich revolutioniert. Zahnräder, die mit Gewichten betrieben wurden, gaben den Zeittakt vor. Wann genau das erste Exemplar zum Einsatz kam, ist nicht bekannt, man vermutet im 13. Jahrhundert. Räderuhren gab es zunächst nur in Kirchen und Rathäusern. Sie waren groß und teuer, nur reiche Gemeinden konnten sie sich leisten. Sie waren definitiv nicht für den privaten Hausgebrauch geeignet. Das änderte sich Mitte des 15. Jahrhunderts, als die ersten Räderuhren mit Federantrieb ausgerüstet wurden. So wurden die Uhren immer kleiner. Es gab Tisch- und sogar Taschenuhren, die schnell zum Fashion-Must-have der feinen Gesellschaft avancierten.

 

Mit jedem Jahrhundert genauer 

In den nächsten Jahrhunderten wurde die Uhr in vielfacher Hinsicht modifiziert. Im 16. und 17. Jahrhundert überschlugen sich die Ereignisse in puncto Uhrenerfindungen: Es wurde die Pendeluhr entwickelt, bei der ein mechanisches Pendel den Takt vorgibt. Auch die Uhr mit Spiralfeder und Unruh, eine Art Gangregler, wurde Mitte des 17. Jahrhunderts erfunden. In den 1720er Jahren folgte die Harrison-Uhr, ausgestattet mit einer Spiralfeder und gleichmäßigem Aufzug, die mit nur einer Sekunde Abweichung pro Monat bereits sehr exakt die Zeit angab. 1929 folgte die Quarzuhr und 1967 der bislang genaueste Zeitmesser: die Atomuhr. Die erste Armbanduhr wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erfunden – aber das ist eine ganz andere Zeit-Geschichte.

Text: Petra Dietz